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File "AGFl_AV.22.0803.mp4"

Actual file name AGFl_AV.22.0803.mp4
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Sources KZ-Gedenkstätte Flossenbürg
Signatur: AGFl AV.22.0803
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Duration 00:33:29
Aspect ratio 16:9

Subtitles for "AGFl_AV.22.0803.mp4"

00:00:00 SR: Ich bin gekommen hierher.
00:00:03 IV: Gut. Ich weiß jetzt nicht sehr viel über Sie. Sie sind in Polen geboren und haben in Polen gelebt. Vielleicht erzählen Sie darüber mal etwas.
00:00:11 SR: Ja. Ich bin geboren in Polen 1930 und bis 1940 waren wir eine Familie.. normale Familie. Alle waren wir zu Hause.
00:00:28 Mein Vater ist gestorben 1934 und der Bruder hat das Geschäft abgenommen.. der große Bruder.
00:00:38 Wir waren fünf Brüder und drei Schwestern.
00:00:42 Nachher, als der Bruder, der älteste Bruder hat geheiratet.. und der zweite Bruder hat das Geschäft genommen.
00:00:52 Und eine Schwester, die hat.. Nachher hat sie auch geheiratet. Hat sie ein Kind gehabt, auch mein Bruder hat ein Kind gehabt.
00:01:02 Und so war normales.. Es, das Leben war normal. Aber es war ein bisschen antisemjud. Was bedeutet antisemjud?
00:01:15 Be.. weil äh die.. In der Schule, zwischen den Kindern, ja, war, war nicht so höflich einer zu dem anderen.
00:01:30 Und von äh '39, wenn die Deutschen reingekommen.. so '40.. So ist.. hat sie begonnen, die schlimms.., die schlimmste äh, die schlimmste Zeit.
00:01:50 Was.. Wir haben nicht gewusst, was kann passieren morgen. Jeden Tag war ein neues Gesetz, ein, ein neuer Befehl.
00:02:01 Der erste Befehl war: Die Juden auf der Hauptstraße dürfen nicht wohnen. Sie müssen verlassen nach 24 Stunden.. rauszugehen von den Wohnungen.
00:02:17 So, wir haben das gemacht. Nachher sind Deutsche gekommen, es waren Volksdeutsche und Reichsdeutsche.. alle von ... in, in Menschen von SS und SA.
00:02:33 Und sie haben die ganzen Geschäfte abgenommen von den Juden.
00:02:40 Wenn es war noch ein Geschäft, haben auch die Polen auch ge.. aufgeschrieben auf die, in das, in das Glas: "Hier wohnt ein Jude." Ja? So weiter, so weiter.
00:02:58 Und nachher haben wir bekommen einen deutschen ... Er war ein SS und er hat einen Sohn gehabt, sein Name war Adolf.
00:03:14 Und er hat auch gebracht Hasen, Hasen. Und er hat mir gesagt: "Du Kleiner darfst bringen.. du darfst füttern die Hasen. Bringe jeden Tag neues Gras."
00:03:33 Ich habe das gemacht. Und nachher hat er bekommen.. es war auch Winter, war kein Gras nicht.
00:03:42 Hat er auch bekommen zwei Geschäfte von.. äh äh Gemüsegeschäfte. Es war eins für Volksdeutsche und eins für Reichsdeutsche.
00:03:55 Und ich bin gekommen zu ihm, ich habe gesagt: "Ich habe kein Gras für die Hasen."
00:04:01 Was hat er mir gesagt: "Ja, du bekommst.. du kommst jeden Tag um 1 Uhr Mittag und du bekommst Kraut für die Hasen."
00:04:14 Und nicht jedes Mal hat er mir dort eine Mark oder zwei Mark gegeben. Und hat mir einen Kopf von Kraut gegeben nach Hause.
00:04:28 Und nachher, eines Tages kommt der Sohn, der Adolf. Sagt er zu mir: "Semi, heute kommt man euch auf.., auf.., abholen."
00:04:44 Dass er.. das war.. kommt d.. die Polizei ist.. Nicht jedes Mal kommt die und sie nimmt die ganze Familie raus von dem Haus.
00:04:59 Ich habe meiner Mutter erzählt das und meine Mutter hat gesagt, wir müssen raus gehen jetzt zu einer Freundin drei Kilometer von dem Platz, von zu Hause.
00:05:14 Wir waren vielleicht eine Woche dort und meine Schwester ist gekommen zu schauen, was hat passiert um die Wohnung.
00:05:24 Und um die Wohnung war schon ver.., vermacht. Sie mussten wieder rübergehen zu dem Getto.
00:05:34 Im Getto war ein Komitee, ein jüdisches Komitee. Wir sind gekommen, haben gesagt. "Hier, das ge.. die Wohnung ist versperrt. Wir haben nicht wo zu gehen."
00:05:49 So haben sie gewechselt von den polnischen Leuten zu, zu den jüdischen Häusern und wir sind gegangen zu den polnischen Häusern.
00:05:59 IV: In das Getto, sozusagen.
00:06:01 SR: Ja, das alles zu den Polen. Nachher ist ein Gesetz heraus: Jeder einer muss einen jungen Burschen geben zur Arbeit.
00:06:12 So, mein Bruder Jechiel ist gegangen. Nachher haben sie gefordert Mädchen. Nachher haben sie gefordert Gold. Nachher Si.. äh Silber und Kupfer.
00:06:36 Und im Getto war es sehr schlimm. Es war kein, kein Essen, wir haben kein Geld gehabt auch zu kaufen, weil das war alles gesperrt.
00:06:49 Und nachher haben sie genommen zur Arbeit in derselben Stadt, was wir haben gewohnt. In Strzemieszyce war eine äh große Fabrik.
00:07:05 So. Mein Bruder Meir.. Meir, und meine Schwester.. die große Schwester ist zu der Arbeit gegangen.
00:07:15 Nachher hat man genommen ihren Mann.. den Mann.. aus. Und mehr haben wir ihn nicht gesehen.
00:07:25 Und nach ... Vakation.. die große Vakation, was sie haben die Kinder und die alten Leute abgeholt.
00:07:35 Sie haben sie abgeholt auf einem Appellplatz und sie haben genommen dort 1.000 oder 1.500.. es war wieder ruhig.
00:07:48 Aber das war schon 1943.. War ganz schlimm, was das war judenrein.
00:07:59 Haben sie alle abgeholt, alle mussten raus auf den Appellplatz und meine Mutter hat mir gesagt:
00:08:12 "Du musst immer verschwinden. Du sollst gehen, du sollst alle Arbeiten machen."
00:08:21 Wissen Sie, bei, bei Juden zu äh, zu arbeiten bei Schweinen, es war nicht so tüchtig.
00:08:32 Und ich bin verschwunden einmal und habe mich versteckt, wo meine Großmutter hat gewohnt.
00:08:43 Aber dort haben mit den Hunden.. die Hunde mich gefunden dort. Und man hat mich zurückgebracht.
00:08:54 Ich war das zweite Mal wieder verschwunden und die Polen habe mich zurückgebracht zu dem Appellplatz.
00:09:05 Und der SS-Mann hat gesagt. "Du Kleiner, du bist schon das zweite Mal da. Wachtmeister, bitte aufpassen."
00:09:17 Mein Bruder war zwischen den Großen und ich war zwischen den Alten und kleinen Kindern und Frauen.
00:09:29 Und mein Bruder hat ge.. mir gewiesen: "Komm hierher."
00:09:34 Und wenn.. Da haben sie gewechselt, zu, zu schauen auf mich, so bin ich zu meinem Bruder hingelaufen und er hat mich verdeckt mit einer Decke.
00:09:48 So weit.. Die Autos sind gekommen und abgeholt alle alten Leute, Kinder, das war meines Bruders Frau mit der Tochter.
00:10:04 Meine Mutter war versteckt.. weiß ich nicht, wo sie ist, wann sie ist.. w.. sie ver.. weggegangen.. mit meiner Schwesters kleinem Kind.
00:10:16 Das waren.. die Kinder waren 8 Monate alt.
00:10:22 Und wenn es war rein von, von den Alten und den Kindern, hat jeder eine gemusst zukommen und hat gefragt:
00:10:35 "Wie alt bist du? Was für einen Beruf hast du?" Ist der Beruf, was er hat gewollt, hat er gesagt: "zu rechts." Oder er hat gesagt: "zu links."
00:10:48 Zu links war auch.. jetzt kann ich sagen, das war nach Auschwitz, ja. Damals war mir.. Haben wir nicht gewusst, wohin.
00:10:56 Und der Bruder hat mir gesagt: "Du sagst, du bist 17 Jahre alt." Und er hat mich gefragt: "Wie alt bist du?" Habe ich gesagt: "17 Jahre."
00:11:08 "Was für einen Beruf?" Habe ich gesagt: "Ich bin Gehilfsklempner." Hat er mir gesagt: "Nur rein mit der Scheiße." Zu der Arbeit.. zu den Großen.
00:11:20 Und so weiter, so weiter. Und nachher hat man uns genommen zum Bahnhof und man hat uns gebracht nach Blechhammer.
00:11:34 Das ist.. auf Polnisch heißt es Blachownia. Aber niemand hat gewusst, wo das ist.
00:11:41 Die, alle die.. Meine Schwester und der Bruder hat gearbeitet in dem F.., in der, in der Fabrik. Haben sie schon gehabt alle richtig zu dem Bahnhof gebracht.
00:11:58 Und die Frauen hat man gebracht nach Ottmuth und uns nach Blechhammer.
00:12:04 Wir sind nach Blechhammer gekommen, hat man uns gesagt, wir müssen die.. alle Kleider ausziehen. "Ihr bekommt neue Kleider."
00:12:19 Das war richtig, wir haben die bekommen.. Die mit dem passen.. die, die, die Kleider. Und das war noch nicht das Ende.
00:12:28 Und nachher jeder einer muss kommen, die linke Hand ausziehen.. und sie haben die Nummer aufge.., gedrückt.
00:12:39 {SR krempelt Ärmel ein bisschen hoch und deutet auf Nummer}
00:12:43 Hier ist die Nummer, was die aufgedrückt haben. Und nachher haben sie gesagt: "Von diesem Moment ist kein Name da, nur eine Nummer."
00:12:56 Und er hat uns zugeteilt in die Baracken. Das war Baracke 15, was ich habe ein Glück gehabt.
00:13:08 Auch mein Bruder, wir waren in demselben Zimmer. Zwei Stock.
00:13:17 Nachher, um 4 Uhr mor.. in der äh, in der Früh haben wir gemusst aufstehen. Und sie haben gesagt, wir müssen in die Küche gehen, Kaffee bringen.
00:13:35 Aber es war kein Kaffee, es war warmes Wasser. Und wir sind gestanden so bis 6:30 auf dem Appell.
00:13:48 Es war Sommer oder Winter, das ist egal: 4 Uhr haben wir gemusst aufstehen zum Appell.
00:13:56 Und wir sind herausgegangen zur Arbeit. Meinen Bruder hat man geschickt zu, zu äh Klempner. Er war ein Klempner.
00:14:10 Mich hat man geschickt zu Steine.. dort zu machen die Straßen.
00:14:17 Und mir hat man gegen einen Hammer von fünf Kilo.. Ich soll zerbrechen die Steine, aber ich habe keine gekannt.
00:14:28 So der SS-Mann hat das Gewehr genommen auf die Seite und er hat genommen den Hammer und er hat gehauen und es zerspringt der Stein.
00:14:39 Und er sagt zu mir: "So haut man Steine." Aber er hat mir mit dem Gewehr mir gegeben einen Stoß, was er hat mich zehn Meter weggestoßen von dort.
00:14:51 Aber ich habe gewusst, ich darf nicht fallen.
00:14:57 Und ich war zu, zu m... habe ja nicht gewusst. Aber es war auch ein Obermeister, er war ein Arischer, er war ein Holländer.
00:15:10 Und er hat das gesagt.. Und er hat gesehen. Ist er gelaufen zu mir, sagt er: "Ich muss ihn haben." Zu dem SS hat er gesagt, er muss mich haben.
00:15:25 "Was musst du ihn haben?" Hat er gesagt: "Er soll mir die Latte halten.. zum Messen die, die hoch da sind."
00:15:34 Und so habe ich gearbeitet mit dem.. Vielleicht das war ein halbes Jahr oder noch mehr. Und nachher hat er mir gegeben zu Steine.. die Steine zu setzen.
00:15:51 Hat er immer gesagt: "Immer Spitze die oben." Aber ich habe keine Ahnung gehabt, was er wollte von mir haben.
00:15:58 Aber durch die Zeit habe ich gelernt. Nachher, die Straße war gefinisht.. haben wir geendigt.
00:16:08 So, jeden Tag sind wir in das Lager gekommen, haben wir zu essen bekommen eine Schüssel von Suppe mit 200 Gramm Brot.
00:16:23 Das war das Essen, was wir haben bekommen. Nachher hat man mich geschickt als Tischler.. Gehilfstischler. Gehilfstischler war dort.. war schon nicht, nicht so schlimm.
00:16:44 Aber auch.. nicht mal.. war auch.. Mittagszeit haben wir auch eine Suppe bekommen. Und nachher habe ich ein Gehilf.. äh Elektrischer war.
00:17:04 IV: Elektriker.
00:17:05 SR: Elektriker, ja. Ich erzähle das, das bloß äh von Anfang.
00:17:13 Und nachher hat sich die Wehrmacht getauscht bei uns in die, in dem, in dem Camp.
00:17:22 Und hat mir gesagt: "Hier habe ich Henne. Du wirst füttern die Henne. Aber das muss sauber sein, so wie bei deiner Mutter im Bett."
00:17:37 Richtig, was äh hatte mir.. das Essen war, was das.. was hat soll sein in der Küche, habe ich der Henne gegeben. Soll man sagen so. Und es war sauber genau.
00:17:54 Und nachher hat's angefangen, die Russen sind gekommen.. Wir waren dort.. das war Polen, Ostoberschlesien.
00:18:04 Hat man uns gesagt, wir müssen verlassen das, den äh Camp. Und man hat uns gegeben ein Brot, das war von 800 Gramm vielleicht. Und eine Decke.
00:18:25 Und so sind wir gegangen von Blechhammer bis Groß-Rosen. Wie lang ich bin gegangen, ge.. weiß ich nicht. Welches Datum es war, weiß ich nicht.
00:18:39 Was war eine Sache, denke ich, wir haben Schuhe bekommen von Holz. Und das war auch im Winter und der Schnee hat sich zugeklebt zu den Schuhen.
00:18:53 Und das war sehr schwer zu, zu gehen. Die ganze Zeit haben wir gemusst in ihnen.
00:19:00 Den ganzen Marsch hat man kein Ges.., kein Essen nicht ge.. bekommen. Nur, es war in der Nacht.. war ein Feld, der Schnee war so hoch, bis zu hier.
00:19:17 Und mein Bruder hat gesagt: "Schmuel, du darfst nicht schlafen hier. Du musst dich bewegen. Darfst nicht schlafen."
00:19:28 Nachher haben sie gebracht einen kleinen Wagen mit gekochten Kartoffeln. Und wer hat gekonnt zukommen zu dem, hat..
00:19:42 Das war keine Zuteilung, das war weggestellt und wer ist gekommen, hatte genommen. Wer's hat nicht gekommen.
00:19:50 Dann haben sie vielleicht viel Lust gehabt und sie haben geschossen mit äh mit Dumdum äh äh Munition.
00:20:03 Und da haben sie gesagt: "Hier so auf der Mauer.. hat mir geschossen. Hat mir geschossen, aber nicht kann.. hat nicht können helfen."
00:20:14 Und so weiter zu. Morgens wieder, wieder gelaufen. Nicht gelaufen.. gegangen. Wohin? Niemand hat es gewusst.
00:20:23 Mit der Decke über dem Kopf, nur.. mit dem Kopf unten. Aber ich mit meinem Bruder sind immer f.. zur Front gelaufen. Der erste. Warum?
00:20:42 Es war Zeit, es war Zeit, zu laufen auf ein Haus, zu stürmen oder zu nehmen, was war darin ist zu essen.
00:20:57 Und herauszukommen, so der SS hat mich nicht bemerkt.
00:21:03 Und sowas haben wir gelebt, nicht nur einmal. Ein bisschen, ein bisschen jetzt, ein bisschen später, ein bisschen später.
00:21:12 Und die alle, was sie haben sich weggesetzt von unten.. haben nicht können laufen, sind geschossen.
00:21:21 Und nachher ist das.. sind wir gekommen von äh Blechhammer nach Groß-Rosen. Groß-Rosen war ein sehr schlimmer Platz.
00:21:35 Das war.. d.. if du hast die Füße reingesteckt, hast du rausgezogen ohne Schuhe. Das war Leim mit Wasser.
00:21:51 Und dort haben mehr die Ukrainer.. die waren die Kapos. Die haben keinen Gott gehabt. Wir waren auch ein paar Tage dort. Und wir sind wieder raus.
00:22:14 Wir sind wieder raus, wieder dieselbe Geschichte. Der, der, ein äh, ein Brot. Die Decke, was war. Die Schuhe.. keine neuen Schuhe, dieselben Sachen.
00:22:35 Sind wir marschiert und nachher hat man uns zu einem Bahnhof genommen. Und man hat uns geführt nach Buchenwald.
00:22:44 Das war nicht Buchenwald, das war Weimar.
00:22:50 Vielleicht die Amerikaner oder Engländer oder Russen.. weiß ich nicht.. haben gesehen, die Wagons waren mit Leuten.
00:22:59 Haben sie uns bombardiert.. haben sie geschmissen die, die äh Bomben auf uns.
00:23:06 IV: Auf den Zug? In Weimar?
00:23:08 SR: Auf den Zug, ja, auf dem Bahnhof. Und so, wir sind stehengeblieben in Weimar.
00:23:17 Nachdem äh, nachdem äh der, die, die Airplanes sind durchgefahren oder zurückgefahren, so hat man uns genommen zu Buchenwald.. nach Buchenwald.
00:23:34 Und ich bin in die Waschbaracke reingegangen, und es hat aufgehört das Wasser. Es war kein Wasser.
00:23:45 Und mein Bruder war noch nicht d.., drin. Und ich bin gekommen wieder ganz nackig, ohne Kleider und habe neue Kleider bekommen.
00:23:56 Und man hat mir gegeben Kleider von einem Politischen. Kleider mit einem roten..
00:24:02 IV: Winkel.
00:24:03 SR: Winkel. Der rote Winkel war gut. Dort waren bloß Politische. Waren Deutsche von Tschechen.. Tschechei. Alle.. die alle Politische.
00:24:19 Aber es waren auch mit dem schwarzen Winkel. Die waren Verbrecher, Mörder. Sie waren die Kapos über die Juden.
00:24:34 Und meinen Bruder Meir hat man ihn geschickt in Invaliden.. Invalidenblock.
00:24:44 Dort war kein Gott nicht dort. War schlimm, bis ich habe ihn gefunden. Das war ein Draht zwischen mir und ihm.
00:24:57 Ich war in Buchenwald im Block 51. Es war ein Draht ... und dort war. Und ich habe gerufen: "Meir, Meir, Meir". Und er hat sich angerufen.
00:25:15 So bin ich zugegangen zu meinem Blockältesten. Er war ein Politischer, aber er war ein Deutscher. Und ich habe geweint, ich habe gesagt:
00:25:26 "Mein Bruder ist im Invalidenblock. Vielleicht kannst du ihn bringen hierher. Ich habe ihn schon zwei Wochen nicht gesehen."
00:25:38 Hat er mir gesagt: "Ja. Ich bringe dich zu ihm."
00:25:45 Dort war der Ukrainer. Der Blockälteste mit ihm, haben sich verstanden und wir sind reingekommen zu, zu dem Meir.
00:25:56 Von.. er war auf einer Schichte.. so geschlafen. Und der Ukrainer hat verstanden. Der Blockälteste hat ihn gebeten, er soll ihn ein bisschen verleichtern.
00:26:11 Hat er ihn jeden Tag geschickt bringen das Kaffee und Essen, darum hat er bekommen ein doppelt..
00:26:21 IV: Ration.
00:26:22 SR: Doppeltes Essen. Aber auch.. Wir haben gemusst auch rausgehen von dort.
00:26:32 Und wir haben marschiert von Dachau äh von Buchenwald. Und in Richtung zu Groß-Rosen äh zu Flossenbürg.
00:26:46 IV: Darf ich kurz fragen? Wissen Sie, wie lange ungefähr Sie in Groß-Rosen waren?
00:26:52 SR: In Groß-Rosen waren wir vielleicht ein Woche Zeit.. drei Tage, vier Tage. Es war.. ich habe nicht, nicht kein Datum.
00:27:03 Weil keine Zeit.. Es war nicht interessant. Interessant war: Von wo kann ich leben? Was zu.. zu fangen was zu essen.
00:27:16 Das war der ganze Kopf, was inner.. Wohin, warum sie machen das, war nicht interessant.
00:27:30 Und von Buchenwald sind wir in die Richtung gegangen nach Groß-Rosen.. nach Flossenbürg.
00:27:39 IV: Sie sind wieder zu, zu Fuß gegangen zuerst?
00:27:42 SR: Zu Fuß. Wir sind zu Fuß gegangen. Auch, wie lange, weiß ich nicht. Ungefähr.. jetzt kann ich wissen, ungefähr kann ich wissen, das ist 170.. 180 Kilometer.
00:27:57 Vielleicht das. Aber wir sind nicht gemacht einen Marsch. Wir sind langsam gegangen.
00:28:06 Und wir sind rausgegangen.. soll man sagen 2.000 Leute. Sind wir geblieben 500.
00:28:15 Und niemand kann mir nicht sagen, niemand hat gesehen, niemand hat ge.., gehört. Es war.. kann sagen nicht, aber so.. die Tragödie war so was.
00:28:35 Vor Regensburg war ein Wald.. und die rechte Seite und die linke Seite. Und dort haben wir gesagt zu bleiben.. zu stehen.
00:28:55 Aber wir haben nicht gewusst warum? Weil die Tanks.. von den amerikanischen Tanks sind schon gekommen von Regensburg.
00:29:05 Da.. haben sie sich verhalten und angewiesen: "Geht herunter!"
00:29:11 Aber die.. Alle Soldaten haben hereingeschossen.. Wie viele es waren.. Mit den Gewehren und sind in den Wald rein.
00:29:24 Wenn die Amerikaner sind gekommen mit den Tanks, haben sie geschmissen uns Essen. Das war Fleisch, Biskuit äh, alle Sachen.
00:29:36 Mit Schokolade. Nach einem Tag.. zwei, haben wir uns nicht gut gefühlt, hat mein Bruder gesagt: "Na, jetzt iss Schokolade, dass wir dich einhalten."
00:29:51 Aber wenn wir sind gegangen in Richtung zu Regensburg, wir sind.. kommen nach Regensburg. Was haben wir gesucht? Essen.
00:30:06 Sind wir in ein kleines Haus reingegangen.. Haus reingegangen, haben wir gesehen: Ist das.. war zu essen? Es war keins, sind wir gegangen.
00:30:17 Ein anderes Haus haben wir gefunden, dort Speck und Mehl und Zucker und alles. Sagt mein Bruder: "Schmuel, hier bleiben wir."
00:30:31 Und so war's, wir sind geblieben und er hat zu.. angefangen zu kochen, zu machen Essen.
00:30:38 Aber wir waren ein bisschen dumm, wir haben nicht gewusst, wir dürfen das nicht essen.. so viel.
00:30:46 Und morgens sagt mein Bruder Meir: "Schmuel, ich fühle mich so schlecht. Ich kann von dem Bett nicht rausgehen." Habe ich gesagt: "Gut."
00:31:02 Das war vielleicht.. 200 Meter war dort eine Kirche. In der Kirche war das Rote Kreuz. Ich mich erinnere mich gut.. waren, glaube ich, Franzosen. Mit Amerikanern.
00:31:25 Und ich bin gekommen zu ihm, habe ich gesagt: "Mein Bruder ist krank, bitte kommen Sie, ihn zu sehen."
00:31:34 Und sie haben eine Ambulanz genommen, sie sind gekommen. Nach dort zu dem Haus. Er hat gesehen und hat gesagt: "Muss ihn abholen von dort."
00:31:48 Und sie haben mir nichts gesagt, gar nichts. Sie haben ihn genommen und in der Ambulanz und sind gefahren.
00:31:55 Und ich habe geschrien: "Meir, Meir, Meir." Ich habe keine Ahnung gehabt, wohin.
00:32:02 Aber ich habe gesehen die Richtung. Bin ich zurück gegangen, genommen was zum Essen. Und ich bin gegangen und ich habe gefragt:
00:32:15 "Wo ist hier ein Hospital?" Haben sie gesagt: "Ist keins da." Bin ich weitergegangen und habe gefragt weiter. Bis ich bin gekommen nach Neuburg.
00:32:29 IV: An der Donau. Neuburg an der Donau.
00:32:31 SR: Neuburg. Und Neuburg war.. ich glaube, es war eine Schule. Und von der Schule haben sie gemacht das Hospital.. das Krankenhaus.
00:32:44 Ja oder nein. Und ich habe ihn gefunden und ich war so müde und ich bin reingegangen mit ihm und ins Bett. Da waren alle mit dem Typhus.
00:32:59 In der Früh ist gekommen die Nurse, hat sie gesagt: "Was ist denn da? Wo ist der Kranke, wo ist der Gesunde?"
00:33:13 Habe ich gesagt: "Ich bin der Gesunde und das ist mein Bruder." Und sie hat geschimpft, hat gesagt: "Du darfst nicht bleiben hier. Das ist Typhus."
00:33:21 Aber ich habe keine Ahnung gehabt, was ist. Habe ich gesagt: "Das ist mein Bruder."